Seit über 20 Jahren ist die Tendenz einer zunehmenden Verbetrieblichung von Tarifpolitik zu erkennen. Mit der Verschiebung von tarifpolitischen Regelungskompetenzen auf die Ebene des einzelnen Betriebs geht die Notwendigkeit zur einzelbetrieblichen Ausgestaltung tariflicher Aspekte durch die betrieblichen Akteure, d.h. Betriebsrat und (Personal-) Management einher. Mehr als früher sind Betriebsräte nun gezwungen, über existierende gesetzliche und tariflicheVorgaben hinaus aktiv und mitgestaltend zu agieren, um so gute Beschäftigungsbedingungen ihrer Kolleg*innen zu gewährleisten.

Neben den fachlichen Kenntnissen stellen sich den Betriebsräten auch auf der Ebene der überfachlichen Kompetenzen, wie z.B. im Bereich der Kommunikation und des konzeptionellen Denkens und Arbeitens neue Herausforderungen. Im Rahmen der Einführungsveranstaltung für das Weiterbildende Studium werden die Teilnehmenden für die stetigen Veränderungen in der Betriebsratsarbeit und die daraus resultierenden Anforderungen an die Betriebsratsrolle und -tätigkeit sensibilisiert und die Bezüge zu den weiteren Bausteinen des Studiums herausgestellt.

Themen:

     ► Einführung in das Weiterbildende Studium
     ► Kennenlernen der Teilnehmenden und der veranstaltenden Institutionen sowie der Universitätsbibliothek
     ► Betriebsnahe und prozessuale Tarifpolitik: Mitbestimmung durch den Betriebsrat
     ► Mitgestaltung von tarif- und arbeitspolitischen Innovationen durch den Betriebsrat
     ► Fortschreitende Verbetrieblichung von Tarifpolitik und resultierende Kompetenzanforderungen an Betriebsräte
     ► Mitverantwortung von tarif- und arbeitspolitischen Kompromissen

Als Betriebsrat müssen Sie viele Entscheidungen treffen. Es ist daher wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit sicher in den rechtlichen Grundlagen agieren zu können.

In diesem Seminar werden die Kompetenzen und die Abgrenzung von Zuständigkeiten geklärt und die einschlägigen Vorschriften des Betriebsverfassungsgesetzes und des Arbeitsrechts vorgestellt. Außerdem werden Fähigkeiten vermittelt, knifflige Fragestellungen zu beantworten und unbestimmte Rechtsbegriffe korrekt auszulegen.

Sie lernen in diesem Seminar Fehlerquellen bei der Amtsführung kennen und minimieren somit das Risiko, selbst Fehler zu machen. Die Kenntnisse werden anhand Ihrer Handlungsmöglichkeiten, bezogen auf Vereinbarungsformen und Konfliktregelungen der jeweiligen Betriebe entwickelt.

Themen:

     ► Aufgaben und Befugnisse der/des Vorsitzenden
     ► Die Funktion der/des stellvertretenden BR-Vorsitzenden
     ► Führung der laufenden Geschäfte in einer digitalen Arbeitswelt
     ► Delegation von Aufgaben an Ausschüsse und Arbeitsgruppen
     ► Sitzungen (u.a. ordnungsgemäßes Einberufen)
     ► Schriftverkehr mit dem Arbeitgeber
     ► Grundsätze der Amtsführung
     ► Was geschieht bei Amtspflichtverletzungen?
     ► Zuständigkeit und Kompetenzen anderer Gremien und Funktionsträger im Betrieb/Unternehmen

Vorsitzende, ihre Stellvertreter*nnen und Freigestellte sind durch die Art ihres Amtes in einer konfliktträchtigen, persönlich anstrengenden und emotional belastenden Situation.

Ständiger Zeitdruck, permanente Erreichbarkeit, viele komplexe Aufgaben und unterschiedliche Erwartungen, aus denen sich Spannungen im Gremium ergeben können sowie häufig schwierige Verhandlungen bestimmen den Alltag. Oft müssen auseinanderdriftende politische Haltungen und Werte im Betriebsrat miteinander vereinbart werden.

In diesen drei Tagen wird das aufgabenbezogene Handeln unter Einbeziehung Ihrer Persönlichkeit und Ihres Umfeldes professionell so bearbeitet, dass Sie Ihre Aufgaben leichter, effektiver und mit größerer Zufriedenheit erfüllen können. Neben fachlichem Input wird mit kollegialer Fallberatung, Praxis-Supervision und Coaching-Techniken gearbeitet.

Themen:

     ► Effektiv und leichter mit passendem Werkzeug leiten
     ► Konflikte und Krisen professionell bearbeiten
     ► Potenziale im Gremium erkennen, fördern und zielgerichtet einsetzen
     ► Eigene Potenziale für den konstruktiven Umgang mit Stress und psychischer Belastung nutzen
     ► Grenzen setzen und professionelle Distanz wahren

Vorausschauende Betriebsratsarbeit heißt, frühzeitig die wichtigsten wirtschaftlichen Kennziffern zu verstehen und sich mit ihnen kritisch auseinandersetzen zu können.

Für viele Betriebsräte sind die betriebswirtschaftlichen Entscheidungen, die in „ihrem‟ Unternehmen getroffen werden, kaum nachzuvollziehen. Über die Betriebsverfassung haben sie wichtige Informations- und Mitwirkungsrechte.
In diesem Modul geht es darum, zunächst die Grundlagen der Bilanzierung zu erarbeiten. Darüber hinaus lernen die Teilnehmenden Diagnosewerkzeuge kennen, die den Betriebsrat dabei unterstützen, zu beurteilen, wie innovativ ihr Unternehmen ist.

Themen:

     ► Wirtschaftsprüferberichte
     ► Gewinn- und Verlustrechnung/Bilanz
     ► Branchenstruktur- und Strategieanalyse nach dem 5-Kräfte-Modell (Five-Forces-Analyse)
     ► Betriebswirtschaftliche Kennzahlen
     ► Eigenproduktion oder Outsourcing?
     ► Diagnosewerkzeuge zur Bewertung der Innovationsfähigkeit des Unternehmens (z.B. InnoKenn)

In leitender Funktion eines Betriebsrates oder als Ausschuss-Vorsitzende*r haben Betriebsräte eine besondere Verantwortung.

Häufig werden wichtige Themen verhandelt. In diesem Seminar geht es darum, Ihrem Verhandlungspartner kompetent und standfest gegenüberzutreten.
Für den Betriebsrat kommt es darauf an, Verhandlungsziele klar zu formulieren und zu verfolgen und die Interessen der Belegschaft erfolgreich durchzusetzen.

Themen:

     ► Verhandlungen insb. mit dem Arbeitgeber (Monatsbesprechungen, Behandlung von Beschwerden, Betriebsvereinbarungen etc.)
     ► Verhandlungsarten und -modelle
     ► Rahmenbedingungen
     ► Phasen einer Verhandlung
     ► Verhandlungsziele/-techniken und -taktik
     ► Umgang mit unfairen Verhaltensweisen
     ► Nicht verhandlungsbereite Gegenseite
     ► Umgang mit Störungen
     ► »Win-Win«-Situation herbeiführen
     ► Einführung in das Harvard-Verhandlungsmodell
     ► Praxisbezogene Übungen

Die Digitalisierung wird endlich in allen Unternehmen zum aktuellen Thema. Die Arbeit der Zukunft wird vernetzter, digitaler und flexibler sein. Was Arbeit 4.0. aber genau bedeutet, ist offen. Seit Beginn des 21. Jahrhundert stehen wir vor einem erneuten grundlegenden Wandel der Produktionsweise. Die wachsende Vernetzung und zunehmende Kooperation von Mensch und Maschine ändert nicht nur die Art, wie wir produzieren, sondern schafft auch ganz neue Produkte und Dienstleistungen.

Durch den kulturellen und gesellschaftlichen Wandel entstehen neue Ansprüche an Arbeit, auch die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen verändert sich. Welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Organisation von Arbeit und sozialer Sicherung haben, ist offen. Wir stehen am Beginn neuer innerbetrieblicher und gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse.

Hier sind Betriebsräte und Gewerkschaften gefragt sich aktiv einzubringen. Sie wissen, wo in ihrem Betrieb die Digitalisierung voranschreitet. Sie sollten auf den Datenschutz achten und rechtzeitig die Weiterbildung der Beschäftigten einfordern, bevor die Betroffenen mit ihren Aufgaben überfordert oder ihre Arbeitsplätze nicht mehr vorhanden sind. Qualifikation bekommt eine noch höhere Bedeutung. Je innovativer die Betriebsräte dabei vorgehen, desto besser für die Beschäftigten und ihr Unternehmen.

In diesem Seminar werden die rechtlichen Möglichkeiten des Betriebsrats bei den anstehenden Veränderungen durch die Digitalisierung aufgegriffen. In erster Linie geht es aber darum über Chancen, Risiken und Möglichkeiten von Arbeit 4.0 zu informieren.

Themen

     ► Veränderungen der Unternehmen durch Digitalisierung und Internet
     ► Bestandsaufnahme der laufenden Projekte in den Betrieben
     ► Werkzeuge zur Analyse des Digitalisierungsgrades im Betrieb
     ► Auswirkungen der Veränderungen auf die Prozesse der Unternehmen
     ► Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechte des Betriebsrats bei Digitalisierung und weiterer Veränderungen im Betrieb
     ► Praxisübung in der Lernfabrik der Ruhr-Universität Bochum zum Thema Arbeit 4.0
     ► Chancen und Risiken von Arbeit 4.0 für die Arbeitsbedingungen und die Beschäftigung, Gestaltungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten der Betriebsräte

Betriebsräte müssen in ihrer Funktion Ideen, Konzepte oder Ergebnisse immer wieder wirksam vermitteln. Dafür sollten sie passende Präsentationstechniken kennen und eine direkte Kommunikation beherrschen.

Nur mit einer verständlichen und nachvollziehbaren Präsentation lassen sich Kolleginnen und Kollegen oder die Geschäftsführung gewinnen.
Das Seminar zeigt, wie sie in Zukunft begeisternde, sprachlich mitreißende und zielorientierte Präsentationen halten.

Themen:

     ► Persönliche Wirkung des Präsentierenden
     ► Umgang mit Nervosität
     ► Körpersprachliches Agieren
     ► Sprache
     ► Vorbereitung, Organisation und Durchführung
     ► Phasen einer Präsentation
     ► Design und Vorbereitung
     ► Effektiver Transport
     ► Aktivierung der Teilnehmenden
     ► Einsatz von Präsentationsmedien

Um soziale Innovation über den einzelnen Betrieb hinaus zu initiieren, bedarf es auch auf europäischer und globaler Ebene einer aktiven Gestaltung von Beteiligungs- und Kooperationsprozessen von Betriebsräten, Gewerkschaften und Vertreter*innenn internationaler Organisationen, wie der ILO oder der OECD.

Wenn Betriebsräte grenzüberschreitend erfolgreich agieren wollen, benötigen sie sowohl Kenntnisse über die Vielfalt der bereits bestehenden internationalen Regulierungen als auch über Handlungskompetenzen im internationalen Netzwerkmanagement.

Über diese inhaltlichen Themenstellungen des achten Seminars hinaus werden zudem die Projektarbeiten von allen Teilnehmenden präsentiert und diskutiert. Anschließend findet die Zertifikatsübergabe statt.

Themen:

     ► Einführung in die Konzepte des Mitbestimmungsmanagements
     ► Mitbestimmungsmanagement im Rahmen grenzüberschreitender Wertschöpfungsketten
     ► Internationale Netzwerktextur der Erwerbsregulierung
     ► Globale Handlungskompetenzen für Betriebsräte und Gewerkschaften

ANSPRECHPARTNER*INNEN

Beate Wysocki
Teamassistentin
Jan Christoph Gail
Referent der Fachbereichsleitung
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